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Quake Champions Test

Quake bedeutet Geschwindigkeit. Es ist die Verschmelzung von Schnelligkeit, die in Form von Zeit darüber bestimmt, wer zuerst reagiert und siegreich aus einem Scharmützel tritt, und dem enormen Tempo, mit dem wir uns tranceartig durch die Karte bewegen. Quake 3 hat diese Elemente damals auf einzigartige Weise miteinander verbunden und das Spiel zu einer bis heute unerreichten Erfahrung für Shooter-Puristen werden lassen. Nun wagt Bethesda die Wiederbelebung dieser alten Legende, ob dieses Experiment glückt?

Id Software hat erst im letzten Jahr mit dem Reboot von Doom für eine Menge Wind im Genre der Actionspiele gesorgt. Doch trotz gelungener Vorlage wollten sich viele Spieler nicht mit dem brachialen Mehrspielermodus und seinen in Würde gealterten Mechaniken anfreunden. Wenn ihr damit ein großes Problem hattet, dann wird euch Bethesda mit Quake Champions sicher keinen Gefallen tun. Das neue Quake bietet eine ebenso archaische Mehrspielererfahrung, punktet mit hoher Geschwindigkeit, engen Arenen, Vertikalität und einem wahnwitzigen Spielfluss.

Quake Champions wird von Bethesda als Free-to-Play-Titel veröffentlich, steckt deshalb voller Mikrotransaktionen und modernen Rollenspielelementen. Das Spielen an sich ist kostenlos, allerdings werden wir zur Kasse gebeten, wenn wir unseren Helden-Pool aufstocken oder das Aussehen unser Lieblingscharaktere variieren wollen. Erfahrungspunkte, Loot-Kisten und Herausforderungen locken mit diversen Ingame-Belohnungen, eine Auswirkung auf das Spielgeschehen in der Arena haben all diese Dinge jedoch nicht.

Die namensgebenden Champions sind das wichtigste Merkmal des neuen Quake. Aktuell gibt es neun Heldenfiguren, die mit eigenem Aussehen, Fähigkeiten und Statistiken in die Kerker steigen. Dieser Aspekt spaltet die erfahrene Community schon jetzt, denn nicht jeder Kampf ist dadurch ebenbürtig. Auch wenn sich id Software um das Balancing bemüht, haben die Champions Vor- und Nachteile und das ist Neuland für viele Quake-Spieler. Jeder Held hat individuelle Fähigkeiten, die uns einen sehr wichtigen Vorteil gegenüber unserem Gegner verschaffen. Wie in Overwatch ist es beim Neueinstieg möglich, einen anderen Helden zu wählen. Heldenfähigkeiten bringen die Spielregeln des ehrwürdigen Shooters mächtig durcheinander, ihr Einsatz ist zum Glück jedoch nicht übermächtig.

Auf dem Anspielevent waren neun Figuren verfügbar, jeder dieser Champions hat unterschiedlich viele Lebenspunkte und Rüstung, und eigene Fähigkeiten. Sogar das Bewegungstempo der Helden variiert, deshalb eignen sich einige Charaktere für spezielle Aufgaben und werden unweigerlich in eine Rolle gepresst. Die Paladin-Kriegerin Galena zum Beispiel wurde gern und häufig gespielt, weil sie sich selbst und Verbündete alle 30 Sekunden mit einem kleinen AOE-Totem heilen kann und deshalb stark in der Verteidigung von Stellungen ist. Die Echse Sorlag war ebenso begehrt, weil sie sehr viel aushält und mit ihrem aktiven Talent Bereiche mit giftiger Säure bespritzt, die Schaden über Zeit verursacht. Ob alle Klassen ebenbürtig sind, das kann ich nach nur drei Stunden mit dem Spiel nicht sagen.

Was Quake Champions neben dem Gefühl der Geschwindigkeit noch hervorragend umsetzt, ist das vertikale Gameplay. Wir haben zwei Karten angespielt, die diesen Ansatz bereits hervorragend umsetzen. Auf den engen Tempelanlagen konnten Gegner ständig als allen möglichen Richtungen kommen. Wir müssen deshalb auf jede Bewegung reagieren, selbst wenn die Gefahr hinter uns lauert. Es ist ein verrücktes Spielerlebnis mit echtem 360-Grad- Gameplay.

Sobald wir das Layout der Maps verinnerlicht haben, flitzen wir wie ein Blitz durch die engen Gänge und offenen Areale. Wie im Rausch sammeln wir dabei Waffen, Munition und Panzerung ein, die neben der Strecke auf Alternativrouten liegen. Das fühlt sich so an, als würden wir im Vorbeirennen und die Hand aufhalten, während das Fadenkreuz stetig nach neuen Bedrohungen Ausschau hält. Neben Munition, Gesundheit und Rüstung gibt es diese kleinen Kelche, die die verbleibende Abklingzeit unserer Heldenfähigkeit reduzieren.

Obwohl der Spielfluss sehr temporeich ist, dauert es eine Weile, bis wir einen Gegner eliminiert haben. Das Spielerlebnis ist nicht so frustrierend, wie ein Call of Duty, bei dem stirbt, sobald uns ein Gegner ins Visier genommen hat -zwei Kugeln reichen nicht aus, um einen Helden in Quake Champions zu töten. Ich schätze diesen Ansatz sehr, weil das Zielen damit wieder in den Vordergrund gerückt wird. Werden wir von hinten ins Kreuzfeuer genommen, besteht immer die Möglichkeit, zur Seite auszuweichen, die Ebene zu wechseln oder die feindliche Position mit etlichen Routen zu flankieren.
Quake Champions ist ein pfeilschnelles Action-Vergnügen, das puristische Arenakämpfe in neuem Technikgewand darstellt. Die Free-to-Play-Injektion wirkt ein bisschen aufgesetzt und mag nicht jedem Spieler gefallen, schlussendlich ist das aber nur Effekthascherei. Im Spiel geht es nach wie vor darum, welcher Spieler die krasseste Performance abliefert. Wer einen derben Arena-Shooter mit hohem Anforderungsgrad und einem einmaligen Gefühl für Geschwindigkeit sucht, den ihr kostenlos mit euren Freunden ausprobieren könnt, sollte Quake Champions auf dem Schirm behalten.

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