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Steep für Winterportfreunde

Ubisoft hat den fast erwarteten rutschigen Start seiner neuen Marke vermieden, aber die Funsport-Simulation gerät doch manchmal ins Schleudern.

 

Steep ist gerade erschienen und der erste Open-Schnee-World-Extremsport-Titel dieser Generation – doch trotz des nahtlosem Multiplayers voller Adrenalin-Events ist das Spiel nicht ganz fleckenfrei. In vier Regionen mit über hundert Wettbewerben und Story-Events ist von Skiabfahrten und Snowboard-Rides über Paragliding bis zu waghalsigen Wingsuit-Rennen alles vertreten. Aus einem Heißluftballon zu springen und in wahnwitzigem Tempo der Erde entgegen zu rasen, das wird nie öde, was man von den lahmen Paragliding-Events leider nicht behaupten kann. Skier und Snowboards teilen sich die gleichen Strecken – und man kann nach Lust und Laune zwischen ihnen wechseln. Auf Skiern hat man mehr Kontrolle, dafür kann man auf dem Snowboards einfacher Tricks raushauen. Die Steuerung reagiert zum größten Teil gut und man kann seine Tricks an den vielen Rampen leicht ausführen. Beim Paragliding wird es allerdings schnell fummelig.

Auf den ersten Blick wirkt die Liste an Events endlos, aber viele Strecken sind nur komplexere Varianten anderer Strecken. Da hilft es auch nicht, dass das die KI-Fahrer sich häufig wie Vollidioten aufführen – wer nicht vom Board fällt oder zu weit von der Strecke abkommt, hat eine Goldmedaille eigentlich so gut wie immer sicher. Echten Wettbewerb gibt es nur mit der Online-Community – aber das hängt wohl auch davon ab, wie lange das Spiel an Reiz behalten wird. Die Events bestehen aus Zeitrennen durch Checkpoints, Standardrennen mit Gegnern und Freestyle-Events, in denen man mit Tricks Punkte sammelt. Mit Druck auf Y steht man immer sofort wieder in der Startposition, wenn mal etwas schiefgegangen ist, sehr praktisch.

Man bewegt sich mit der Schnellreisefunktion leicht zwischen den Gipfeln, wenn man auf der Bergkarte Events oder interessante Spots anwählt. Der Mehrspieler funktioniert nahtlos und man trifft immer wieder auf andere Fahrer, mit denen man sich zusammentun kann und mit denen man auch seine Entdeckungen teilt. Insgesamt fühlt sich das Spiel sehr flüssig an und das Fehlen von Lade-Animationen gibt dem Gameplay sein eigenes Momentum und hält einen im Spiel.

Der Go Pro-Modus ist die Egoperspektive von Steep, bei der man die Action hautnah miterlebt, auch wenn die Perspektive selten Sinn ergibt und wegen der beschränkten Übersicht eher zum Gimmick wird. Die dynamische Wiederholungsfunktion ist nett und lässt einen jederzeit zurückspulen und Parameter wie Geschwindigkeit und Kamera-Winkel verändern.

Der größte Fehler von Steep ist aber das Fehlen von jedwedem sinnvollen Fortschritt. Man erhält Erfahrungspunkte für Herausforderungen, durch das Entdecken neuer Gebiete oder besonders kreative Unfälle. Mit dem Levelaufstieg schaltet man neue Strecken und kosmetische Gegenstände frei, aber die Begeisterung hält sich dann doch in Grenzen, weil man schon Unmengen ähnlicher Dinge zur Verfügung hat. Ausrüstung mit unterschiedlichen Werten und Attributen wären vielleicht verlockender gewesen.

Auch wenn sich Steep nicht an dem übertriebenen SSX orientiert, nimmt es sich doch nicht allzu ernst, auch wenn es offiziell als Simulation daherkommt. Die Spielfiguren können in allerhand alberne Kostüme gesteckt werden – von Bären- bis zum Clownsoutfit ist einiges dabei. Online muss also kein Spieler dem anderen gleichen.

Optisch weiß Steep mit seinen detaillierten schneebedeckten Gipfeln und den durchbrechenden Sonnenstrahlen zu beeindrucken. Die gefrorenen Wasserpfützen und Seen sind weniger gelungen, was einen manchmal doch ein wenig aus dem Spiel reißt, auch wenn diese Stellen eher selten sind. Die großartige offene Welt ist technisch ansonsten brillant, komplett in Schnee und Eis gehüllt und sorgt trotzdem mit Gletschern, Dörfern und Wäldern für viel Abwechslung.

Ubisoft hat den fast erwarteten rutschigen Start seiner neuen Marke vermieden, aber gerät doch manchmal ins Stolpern. Die offene Welt ist extrem aufpoliert und man bewegt sich mit Leichtigkeit, aber der Mangel an wirklich unterschiedlichen Strecken, das eher dünne Fortschrittssystem und die schwache KI unterwandern die Langzeitmotivation. Steep ist ganz bestimmt kein schlechtes Spiel – ganz im Gegenteil – aber das Vergnügen wird durch ein paar enttäuschende Entscheidungen doch deutlich ausgebremst.

 

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